Alpine Gravel Tour d’Aï

Aigle, Villars und Leysin: Vom Weinberg in die Felsarena

65 Kilometer und 2470 Höhenmeter machen diese Runde zu einer der anspruchsvolleren Touren in den Waadtländer Voralpen. Dabei beginnt sie fast beiläufig zwischen Reben und Schloss, zieht sich lange und gleichmässig durch den Wald und wird erst in der zweiten Hälfte richtig alpin. Ihr stärkster Abschnitt liegt unter den hellen Felswänden des Tour d’Aï.

Direkt aus Aigle in die Reben

Vom Bahnhof Aigle sind es kaum 1’000 Meter bis zum ersten Anstieg. Auf dem Sentier des Vignes führt die Route durch die Weinberge hinauf zum Schloss. Mauern fassen die Rebflächen ein, dazwischen verlaufen schmale, steile Teersträsschen. Links erscheinen immer wieder der Genfersee, Vevey und das Lavaux. Montreux bleibt hinter einem Felsvorsprung verborgen.

Aigle entspricht ziemlich genau dem Bild, das man sich vom unteren Rhonetal macht: Schloss, Wein, enge Gassen und eine angenehme Ruhe. Selbst an einem Samstag ist hier am Morgen wenig los.

1’400 Höhenmeter im eigenen Rhythmus

Der erste Anstieg ist lang. Rund 1’400 Höhenmeter werden praktisch ohne Unterbrechung bewältigt. Die erste halbe Stunde verlangt etwas Arbeit, danach wird die Steigung gleichmässiger.

Ein grosser Teil der Auffahrt verläuft durch den Wald. Das hält die Temperaturen angenehm und verleiht dem Abschnitt einen fast meditativen Charakter. Kurze Singletrails unterbrechen die breiteren Wege. Einzelne Stellen sind zu steil oder technisch und erfordern ein paar Meter zu Fuss.

Nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden verlässt die Route den Wald und führt oberhalb von Villars sur Ollon weiter Richtung Col de Bretaye. Rund um die Bergbahnen und Freizeitangebote ist es mit der Ruhe zunächst vorbei. Der Betrieb gehört zum Gebiet, hält aber nicht lange an.

Vom Lac des Chavonnes nach Le Sépey

Hinter dem Lac des Chavonnes wird die Strecke alpiner. Eine steinige Passage zwingt für ungefähr zehn Minuten zum Schieben, diesmal bergauf. Danach folgen wieder schmale und gut fahrbare Wege.

In Le Sépey erreicht man einen sinnvollen Verpflegungsstopp. Der kleine Laden Au petit Magasin mit angeschlossener Bar wirkt von aussen eher düster. Auch die Menschen schauen zunächst entsprechend. Die Sandwiches sind trotzdem gut und für den zweiten Tagesanstieg ziemlich nützlich.

Dieser beginnt direkt nach dem Ort. Er ist steiler als der erste und kann im Hochsommer sehr heiss werden. Mehrere Brunnen bieten Gelegenheit, Wasser nachzufüllen und sich abzukühlen. Eine weitere Passage verlangt ungefähr fünf Minuten Schieben.

Unter den Felsen des Tour d’Aï

Das landschaftliche Zentrum der Runde liegt unterhalb des Tour d’Aï. Gemeinsam mit dem Tour de Mayen prägt er die markante Silhouette oberhalb von Leysin.

Die hellen Kalkwände stehen unmittelbar über der Strecke. Darunter ziehen sich schmale, überraschend gut fahrbare Singletrails durch die Hänge. Der Abschnitt verbindet alpine Landschaft mit technisch interessantem, aber meist gut kontrollierbarem Fahren.

Vor Leysin kann man eine zusätzliche Schleife mit rund 200 Höhenmetern einbauen. Der lose Untergrund macht sie anstrengend und teilweise schlecht fahrbar. Mit kleiner Übersetzung kommt man weit, sonst wird geschoben. Der Blick ins Rhonetal rechtfertigt den Zusatzaufwand.

Anspruchsvolles Finale nach Aigle

In Leysin führt die Route kurz über die Strasse, bevor sie nochmals auf einen schmalen Singletrail abbiegt. Nur wenige sehr steile Stellen erfordern kurze Schiebemomente.

Auch die eigentliche Abfahrt nach Aigle bleibt zwischenzeitlich anspruchsvoll. Der Trail ist steil und verlangt Konzentration. Später geht er in breite Forstwege über, auf denen man deutlich schneller ins Tal zurückfahren kann.

Die Runde wirkt zu Beginn fast harmlos. Das ist sie nicht. Sie kombiniert einen langen, gut rhythmisierten Auftakt mit Schiebepassagen, alpinen Trails und einer technisch fordernden Abfahrt. Gerade dieser Wechsel macht sie zu einer der vielseitigsten Touren rund um Aigle und Leysin.

GPX-File zum Download: Tour d’Aï

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