Alpine Gravel Val d’Illiez

Es gibt Touren, die in ihrer Eindrücklichkeit über Stunden hinweg nicht nachlassen. Das Val d'Illiez gehört eindeutig zu dieser Kategorie. Was mit einem langen, gleichmässigen Anstieg beginnt, entwickelt sich zu einer der eindrücklichsten Panorama-Runden, die wir bisher gefahren sind. Die Dents du Midi und die Dents Blanches begleiten einen fast den ganzen Tag. Dazwischen liegen hervorragend fahrbare Gravelwege, ursprüngliche Alpen und viel Ruhe.

Langes Einrollen ins Tal

Vom Bahnhof Monthey dauert es nur wenige Minuten, bis die Strasse ins Val d'Illiez ansteigt. Die ersten 3,5 Kilometer führen auf der Hauptstrasse taleinwärts. Früh starten lohnt sich immer, auch weil bereits um acht Uhr morgens hier viele Autos unterwegs sind. Hinter Troistorrents wird es aber deutlich ruhiger, weil ein grosser Teil des Verkehrs Richtung Morgins abbiegt.

Von dort beginnt ein sehr angenehmer Anstieg. Rund 1'300 Höhenmeter ziehen sich gleichmässig den Hang hinauf. Die Steigung bleibt moderat, der Asphalt rollt hervorragend und man findet schnell seinen Rhythmus. Gleichzeitig begleiten die Dents du Midi den gesamten Anstieg. Die sieben markanten Gipfel prägen das Tal so konsequent, dass man sie fast nie aus den Augen verliert.

Ein Tal zwischen Tourismus und Ursprünglichkeit

Das Val d'Illiez ist nur rund 13 Kilometer lang und reicht von Monthey bis nach Champéry. Trotz seiner Bekanntheit wirkt das Tal aber erstaunlich ursprünglich. Dörfer, Alpen und Waldstücke wechseln sich ab, die Vièze rauscht tief unten durchs Tal und die Gipfel bestimmen ständig den Horizont.

Mehrfach streift die Route das Gebiet der Portes du Soleil. Mit über 600 Kilometern Skipisten zählt es zu den grössten zusammenhängenden Skigebieten der Welt. Umso überraschender ist, wie oft man auf ruhigen Alpwegen unterwegs ist. Nur selten erinnern Bergbahnen oder Wintersportanlagen daran, wie viel Betrieb hier im Winter herrscht.

Der Moment, in dem die Tour explodiert

Nach einer Pause im Gîte Alpage La Chaux beginnt der Abschnitt, an den wir uns noch lange erinnern werden. Die Aprikosenwähe gehört zu den besten Gründen, hier anzuhalten. Der eigentliche Höhepunkt folgt aber wenige Minuten später.

Der Asphalt geht in bestens fahrbaren Gravel über und plötzlich fährt man fast frontal auf die Dents du Midi zu. Kurz darauf öffnet sich eine weitläufige Höhenlandschaft. Links begleiten die Dents Blanches den Weg, gegenüber stehen die Dents du Midi. Es rollt hervorragend, die Wege sind schnell und angenehm zu fahren und mit jedem Kilometer scheint das Panorama noch eindrücklicher zu werden.

Irgendwann wird klar: Nicht die Beine bestimmen das Tempo, sondern die Kamera. Eigentlich könnte man alle zwei Minuten anhalten.

Barme: Näher an die Dents Blanches geht kaum

Ein weiterer Höhepunkt wartet bei der Cantine des Dents Blanches in Barme. Der Name ist Programm. Die schroffen Kalkzacken stehen hier so nah über der Alp, dass man ihnen mit dem Gravelbike kaum näher kommen kann.

Direkt danach folgt die technisch anspruchsvollste Passage der Runde. Unterhalb von La Braye führt eine steile Abfahrt talwärts. Sie verlangt Aufmerksamkeit, bleibt für geübte Fahrerinnen und Fahrer aber gut fahrbar.

Schlussbouquet mit Blick bis zur Riviera

Als wäre die Tour noch nicht komplett, wartet kurz vor Monthey ein letzter Gegenanstieg. Der Weg nach Le Pal fühlt sich zunächst etwas gemein an. Nach einem langen Tag schmerzen die zusätzlichen Höhenmeter.

Oben versteht man jedoch sofort, weshalb sie dazugehören. Der Blick reicht gleichzeitig zu den Dents du Midi, zurück nach Champéry und weit hinaus bis nach Montreux und zur Waadtländer Riviera. Es ist der passende Schlusspunkt einer Runde, die ihre landschaftlichen Trümpfe nie zu früh ausspielt.

Danach folgt eine lange, schnelle Strassenabfahrt. Über tausend Höhenmeter verschwinden innerhalb weniger Minuten, bevor man wieder in Monthey einrollt.

GPX-File zum Download.

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