Alpine Gravel Freiberge
La Chaux-de-Fonds ist immer wieder ein besonderer Ort, um eine Graveltour zu starten. Die Stadt wirkt fast gezeichnet: Raster, Ordnung, klare Linien. Nach dem grossen Brand von 1794 wurde sie rational für die Uhrenindustrie geplant. Man merkt das bis heute. Alles wirkt etwas anders als in anderen Schweizer Städten.
Umso bemerkenswerter ist der Moment, wenn man nach wenigen Minuten draussen ist. Eben befand man sich quasi noch auf dem Stadtplan und plötzlich ist man inmitten der Jura-Weite. Auf ruhiger Strasse sieht man kurz Mont Soleil und Chasseral, und für einen Moment fühlt sich alles nach klassischem Hochplateau an: Wiesen, Weite, Ruhe. Doch schon nach einer Viertelstunde kippt die Tour direkt und lange hinunter zum Doubs.
Genau hier beginnt der eigentliche Charakter dieser Runde. Die Freiberge verbindet man eher mit Pferden, Weiden und stiller Jura-Landschaft. Alpin ist das geografisch natürlich nicht. Aber unten am Doubs fährt sich die Runde plötzlich ganz anders. Steil, felsig, nah am Wasser und deutlich wilder, als man es erwartet.
Links des Flusses folgt ein Singletrail, der nicht anspruchslos ist, aber meistens gut fahrbar bleibt. Zweimal steigt man kurz ab, ein paar Meter oder wenige Minuten. Dafür kommt man dem Doubs extrem nahe, findet kleine Stopps in der Sonne und fährt durch eine Landschaft, die mehr Canyon als Hochplateau ist. Später rücken die Jurafelsen immer näher an die Strecke, im eigentlichen Doubs-Canyon stehen mächtige Kalkwände über dem Fluss.
Die Route bleibt dabei nie brutal, aber sie verlangt Aufmerksamkeit. Nach dem ersten Trail geht es rund 200 Höhenmeter auf der Strasse wieder hoch, später erneut hinunter zum Doubs. Vorbei am Elektrizitätswerk wird der Weg zuerst gut fahrbar, später schmaler und konzentrierter. Ein paar steile Höhenmeter schiebt man besser. Nicht schlimm, nur ehrlich.
Bis Soubey folgt nochmals ein schöner, gut fahrbarer Wanderweg. Dort kommt das Restaurant Hirschen genau richtig. Affogato steht zwar nicht auf der Karte, aber das supernette Team machte uns trotzdem einen. Und er war erst noch sehr fein. Das war auch deshalb perfekt, weil es bis Goumois entlang der Strecke keine echte Einkehrmöglichkeit gibt. An sonnigen Tagen sind die Restaurants dort zudem schnell voll mit Wanderern und Wassersportlern. Sandwiches im Gepäck waren also keine schlechte Idee.
Nach Soubey warten nochmals Höhenmeter, danach klingt die Tour leiser aus. Erst auf der Hauptstrasse, später auf kleinen Nebenstrassen Richtung St. Ursanne. Die Runde endet damit ruhiger, als sie zwischendurch war. Zurück bleibt der Eindruck einer Tour, die mit Erwartungen spielt: Freiberge, ja. Aber nicht als gemütliche Postkarte mit Pferden und Weiden. Sondern als steile, felsige und überraschend trailige Jura-Runde.