Gravel-Packing Baskenland
10 Etappen zwischen Pyrenäen und Atlantik
Auf 660 km und 12’000 hm von Biarritz über die Pyrenäen nach Pamplona, weiter durchs baskische Bergland nach Bilbao und anschliessend entlang des Atlantiks wieder zurück nach Biarritz.
Über grüne Hochflächen, lange Nebenstrassen, Waldpisten, kurze ruppige Trails und einige sehr unterschiedliche Städte. Der Gravelanteil ist dabei nicht über die ganze Runde gleich. Am stärksten ist er auf den Etappen durchs Hinterland zwischen Banka und Bilbao. Dort führen lange Abschnitte über Schotter, Waldwege und abgelegene Pisten durch die Berge.
Naturpark Aralar - einer der landschaftlichen Höhepunkte bei Gravelpacking Baskenland.
Entlang der Küste nimmt er dafür deutlich ab, was an unserer Routenwahl liegt: Wir wollten möglichst oft am Meer bleiben und haben dafür lieber kleinere (ok, auch mal kurz grössere) Küstenstrassen genommen, statt weiter im Hinterland nach zusätzlichen Gravelkilometern zu suchen.
Unser Start- und Zielort Biarritz - hier der “Surferstrand”, die Plage de la Côte des Basques
Häufig liegen nur wenige Stunden zwischen völlig unterschiedlichen Welten: Pilgerwege und Surferorte, Hochebenen und Strandtourismus.
Für die Reise ins Baskenland haben haben wir uns etwas mehr Zeit genommen als nur für die zehn Fahretappen (die man bei total 660 km und rund 12’000 hm im übrigen auch gut auf 6-7 kürzen kann).
Zu Beginn und am Ende blieben wir zusätzlich jeweils zwei Tage in Biarritz. Und auch unterwegs legten wir mehrfach zusätzliche Tage ein, unter anderem in Bilbao, Mundaka, Lekeitio und San Sebastián. Das tut nicht nur den Beinen gut. Gerade diese Mischung aus Fahren und Bleiben macht einen grossen Teil der Reise aus.
Etappe 1: Von Biarritz nach Banka
Biarritz verschwindet schneller, als man denkt. Nach einem kurzen Abschnitt mit Verkehr folgt die Strecke lange der Nive ins Landesinnere. Auf Radwegen und kleinen Strassen geht es durch Ustaritz und weiter Richtung Saint-Étienne-de-Baïgorry. Spätestens dort beginnt das Baskenland der Berge. Die Strassen werden kleiner, das Tal enger und die Siedlungen seltener.
Unterwegs bei Itxassou in der Rolandschlucht
Banka liegt nochmals rund zehn Kilometer und einige Höhenmeter weiter im Tal. Nach Biarritz fühlt sich der kleine Ort wie ein Gegenentwurf an: ruhig, überschaubar und weit weg vom Meer, obwohl wir erst einen Tag unterwegs sind.
Etappe 2: Von Banka über Roncesvalles nach Pamplona
Der zweite Tag beginnt mit einem langen Anstieg auf kleinen Strassen. Im unteren Teil hängen noch Wolken zwischen den Hängen. Weiter oben kommt die Sonne durch, der Verkehr verschwindet vollständig.
Aufstieg Richtung Erro
Die Grenze nach Spanien liegt unspektakulär auf der Höhe. Danach führt die Strecke über den Ibañeta-Pass und Roncesvalles auf Teile des Jakobswegs.
Ab Zubiri werden die Pilger deshalb deutlich zahlreicher. Nach den Stunden im Wald und in den Bergen wirkt das fast schon geschäftig. Die letzten Kilometer führen schneller in Richtung des quirligen Pamplona. Der Kontrast gefällt uns: morgens Schafe und Nebel, abends Bars und Altstadt.
Etappe 3: Von Pamplona über Aralar nach Segura
Pamplona lässt sich sehr angenehm mit dem Velo verlassen. Lange Radwege führen aus der Stadt, danach folgen rund zwanzig Kilometer Gravel.
Richtung Lekunberri wird die Strecke zunehmend ruhiger. Der zentrale und ziemlich spektakuläre Abschnitt des Tages liegt dann aber auf der Hochebene von Aralar. Grasflächen, Felsen, Pferde und Schafe bestimmen das Bild. Dazwischen zieht sich die Strecke über kleine Wege und Strassen.
Sierra de Aralar
Es ist einer der Abschnitte, auf denen plötzlich alles weit weg wirkt, obwohl wir gar nicht so weit von den nächsten Orten entfernt sind.
Die Abfahrt ist zunächst ruppig, später rollt es leichter Richtung Segura. Der kleine und wirklich hübsche Ort passt gut ans Ende eines langen Tages draussen.
Etappe 4: Von Segura über Arantzazu nach Mondragón
Die vierte Etappe beginnt mit einem langen Anstieg Richtung Aizkorri. Strasse und insbesondere die darauf folgende Betonpiste sind teilweise steil, bleiben aber gut fahrbar.
Später geht sie in Gravel und schmalere Wege über. Eine Passage verlangt rund eine halbe Stunde Schieben. Anschliessend liegt dafür die Hochebene von Urbia vor uns.
Guipuzko, Hochebene von Urbia
Weiden, Kalkfelsen und einzelne Höfe geben diesem Abschnitt einen fast abgeschlossenen Charakter. Genau solche Passagen hatten wir uns vom Baskenland erhofft.
Der Weg bleibt ruppig, ist aber grösstenteils fahrbar. Kurz darauf erreichen wir das Kloster Arantzazu.
Hochebene von Urbia
Von dort geht es schnell hinunter nach Oñati und weiter nach Arrasate-Mondragón. Die Stadt ist sehr industriell, dicht bebaut und hat eine besondere Geschichte. Sie besitzt rund um die Altstadt aber auch nochmals eine ganz andere Atmosphäre.
Etappe 5: Von Mondragón nach Bilbao
Aus Mondragón führt die Strecke zunächst durch eine Mischung aus Wohngebieten, Industrie und kleinen Nebenstrassen.
Später folgen mehrere ruhige Übergänge durch die Hügel. Rund um Dima begegnen uns deutlich mehr Rennradfahrer. Das Axlor Café entpuppt sich als guter Zwischenstopp und Treffpunkt der lokalen Radszene.
Aramaio - auf dem Weg nach Bilbao
Danach fahren wir vergleichsweise direkt Richtung Bilbao. Zwei Waldabstecher sollen zusätzliche Gravelkilometer bringen. Einer funktioniert hervorragend, der andere endet im Gebüsch. Also zurück.
Die letzten Kilometer führen durch Vororte und enge Häuserschluchten. Erst die Altstadt und später das Guggenheim-Museum markieren endgültig die Ankunft in Bilbao.
Bilbao Castanos - Puente de la Salve und Guggenheim-Museum
Hier bleiben wir einen zusätzlichen Tag. Bilbao gehört für uns zu den Orten, die man auf einer solchen Reise nicht nur durchqueren sollte.
Etappe 6: Von Bilbao entlang der Küste nach Mundaka
Die Ausfahrt aus Bilbao dauert. Fast eine Stunde folgt die Strecke dem Fluss Richtung Meer, meist auf Radwegen. Der Weg führt vorbei an Hafenanlagen, Kränen, Raffinerien und Windrädern. Schön ist das nicht unbedingt, interessant aber schon. Und an einem Sonntag herrscht zwischen Jogger, Rennrädern und Familien richtig gute Stimmung.
Danach übernimmt wieder der Atlantik. Über Getxo, Sopela, Barrika, Plentzia, Bakio und Bermeo geht es entlang der Küste.
Getxo
Asphalt dominiert zwar, kurze Trails und Nebenwege bringen aber Abwechslung.
Sopela
Unsere Zielort Mundaka gefällt uns sofort. Der kleine Ort lebt vom Surfen, vom Meer und von seiner Lage an der Mündung des Urdaibai.
Hafen von Mundaka
Blick flussaufwärts in Richtung Gernika
Etappe 7: Über Gernika nach Lekeitio
Busturia
Schon wenige Kilometer hinter der Küste verändert sich die Umgebung deutlich. Weiden und Wald ersetzen das Meer, bevor wir Gernika und das berühmte Kunstwerk von Picasso erreichen.
Gernika
Danach geht es wieder Richtung Urdaibai und weiter zur Küste. Rund um Elantxobe und Ea wechseln kleine Strassen, Gravel und kurze steilere Abschnitte.
Elantxobe
Die grünen Hänge reichen hier teilweise fast bis ans Wasser. Ein Freund hat das Baskenland einmal als «Schwarzwald mit Meer» bezeichnet. Spätestens hier verstehen wir, was er meinte. Der potenziell grösste Unterschied neben dem Meer: Separatismus-Wünsche sind aus dem Schwarzwald weniger bekannt.
Lekeitio - Playa de Karraspio und ein Motiv, das sich so oder ähnlich fast überall im Baskenland wiederfindet.
Etappe 8: Von Lekeitio über Getaria nach San Sebastián
Lekeitio - Blick auf die Isla de San Nicolas, die bei Ebbe zur Halbinsel wird.
Hinter Lekeitio folgen erneut kleine Strassen und Wege durch das hügelige Hinterland.
Vor Zumaia erreicht die Strecke Abschnitte des Jakobswegs und mehrfach wieder die Küste. Danach fahren wir direkt am Meer Richtung Getaria.
Gravelabschnitt vor Deba - auf dem Weg nach San Sebastian
Der Ort eignet sich hervorragend für einen längeren Stopp. Pintxos, Fisch und baskischer Cheesecake sind hier mindestens so wichtig wie die nächsten Kilometer. Über Zarautz führt die Strecke nochmals ins Hinterland. Erst rund zehn Kilometer vor San Sebastián wird die Stadt allmählich präsent.
Den zusätzlichen Anstieg auf den Monte Igeldo nehmen wir auf jeden Fall mit. Denn von oben liegen die Bucht von La Concha, die Stadt und die umliegenden Hügel gleichzeitig vor uns.
San Sebastian - Monte Igeldo
Etappe 9: Über Hondarribia nach Saint-Jean-de-Luz
San Sebastian - Strand von Gros
Auch in San Sebastián bleiben wir einen zusätzlichen Tag. Bei Pintxos, Strand und Stadtleben fällt diese Entscheidung nicht besonders schwer. Dann verlassen wir die Stadt aber wieder Richtung Osten in Richtung der auch bei Radfahrern beliebten Erhebung Jaizkibel.
Jaizkibel - Blick Richtung San Sebastian
Über kleine Strassen und Wege führt die Strecke Richtung Hondarribia. Der Ort wirkt am Meer zunächst eher funktional, weiter innen jedoch sehr lebendig und deutlich spanischer.
Zwischen Hondarribia und Hendaye verlangt die Routenführung etwas Aufmerksamkeit. Wer den richtigen Radweg erwischt, erreicht schliesslich den langen Strand von Hendaye.
Hendaye
Von dort folgt die Etappe der Corniche Richtung Saint-Jean-de-Luz. Die Küstenstrasse ist landschaftlich stark, aber teilweise stark befahren. Deshalb weichen wir immer wieder auf kleinere Strassen im Hinterland aus.
Urrugne - zwischen Hendaye und Saint-Jean-de-Luz
Saint-Jean-de-Luz ist sehr belebt und ziemlich touristisch, für einen nächtlichen Zwischenstop aber allemal lohnenswert.
Stadtstrand von Saint Jean de Luz
Etappe 10: Über Sare zurück nach Biarritz
Die letzte Etappe bringt nochmals vieles zusammen, was die gesamte Reise geprägt hat. Kleine Strassen führen Richtung Sare. Dazwischen liegen ruhige Radwege und gute Gravelabschnitte. Rund um den Col de Saint-Ignace wird es wegen des Train de la Rhune deutlich voller.
Gravelabschnitt hinter Sare
Sare selbst ist ein guter Ort für eine Pause. Danach führt die Strecke weiter Richtung Saint-Pée-sur-Nivelle. Ein kurzer Abstecher Richtung Espelette bringt mehr Verkehr als erhofft, dafür danach nochmals einige schöne Gravelwege.
Blick auf La Rhune bei Saint-Pée-sur-Nivelle
Die letzten Kilometer nach Biarritz sind entspannt. Kleine Strassen führen zurück Richtung Atlantik, bis sich die Runde dort schliesst, wo sie zehn Etappen zuvor begonnen hat.
Biarritz
Wir bleiben noch einmal zwei Tage. Nach Bergen, Städten, Küste und ziemlich vielen Höhenmetern fühlt sich Biarritz nun deutlich vertrauter an als bei der Ankunft.
Vollständige Tour auf Komoot inkl. GPX-Download
An- und Abreise: Mit TGV und Velo nach Biarritz
Wir sind von Zürich mit dem TGV via Paris nach Biarritz gereist und auf demselben Weg wieder zurück. Entscheidend war für uns, die Vorgaben der SNCF konsequent einzuhalten: Beide Räder raus, Velo in eine kompakte Tasche und damit innerhalb des erlaubten Packmasses. So verpackt ist die Reise sehr unkompliziert.
Auch der Bahnhofswechsel in Paris vom Gare de Lyon zum Gare Montparnasse ist kein Problem. Mit den kompakten Velotaschen kommt man gut vorwärts, auch mit der Metro. Wir haben uns trotzdem jeweils für ein Uber XL entschieden. Das war bequem und brachte uns vor allem genut Zeit, um auf Hin- und Rückreise noch à la Parisienne Mittag zu essen, bevor wir wieder in den nächsten TGV stiegen.
Fast schon komisch war dabei unser Eindruck, dass wir offenbar zu den sehr wenigen gehörten, die die SNCF-Regeln wirklich ernst nahmen. Viele andere Reisende hatten ihre Räder deutlich grosszügiger verpackt (also: nur ein Laufrad raus z.B.). Funktioniert hat es bei ihnen trotzdem. Wir kamen uns ein bisschen vor wie die Streber. Darauf verlassen würden wir uns aber nicht: Mit einer Tasche, die den offiziellen Vorgaben entspricht, reist es sich auf jeden Fall entspannt.