Alpine Gravel Umbrail

Umbrail: Klassiker auf Abwegen

Neben dem Grimsel ist auch der Umbrail einer dieser Pässe, die man normalerweise in langen Kehren auf Asphalt fährt. Unsere Variante ignoriert das natürlich. Vom Lago di Cancano nähert sie sich dem Klassiker über Gravel, Singletrails und ziemlich alpines Gelände. So wird selbst ein viel befahrener Pass wieder hochinteressant.

Vom Lago di Cancano ins Valle Forcola

Der Tag beginnt mit einer kurzen Abfahrt zum Lago di Cancano. Über die mächtige Staumauer geht es auf die andere Seite des Sees, und direkt dahinter beginnt der Anstieg Richtung Umbrailpass.

Zunächst führt eine breite Naturstrasse mit gleichmässiger Steigung ins Valle Forcola. Wir nehmen den längeren Weg weit hinten durchs Tal und nicht die direktere Zickzack-Variante. Bei unserem eher zweifelhaften Wetter ist das die angenehmere Wahl.

Landschaftlich ist es ohnehin kein Kompromiss. Das breite, karge Tal zieht sich zwischen hohen Flanken nach hinten und vermittelt schon früh, dass diese Gravel Tour mit einer normalen Passfahrt wenig zu tun haben wird.

Fast 1’000 Höhenmeter zum Umbrailpass

Nach einigen Kilometern verändert sich der Charakter. Der Weg wird schmaler, felsiger und zunehmend alpin. Bis zur Bocchetta di Forcola kommen fast 1’000 Höhenmeter zusammen.

Vieles lässt sich mit dem Gravelbike fahren, zwischendurch muss man aber immer wieder kurz absteigen. Das stört kaum. Der Anstieg ist lang und fordernd, bleibt durch die ständig wechselnde Umgebung aber erstaunlich kurzweilig.

Oben angekommen folgen noch zwei oder drei Minuten Schieben bergab. Danach beginnt einer der interessantesten Abschnitte dieser Umbrail-Gravel-Tour: Der Singletrail Richtung Umbrailpass ist praktisch durchgehend fahrbar und stellenweise richtig schön zu fahren.

Falls entgegenkommende Mountainbiker mitleidig auf die schmalen Reifen schauen: einfach ignorieren. Das Gravelbike kann hier deutlich mehr, als man ihm zunächst zutraut.

Vom Umbrailpass nach Sta. Maria Val Müstair

Am Umbrailpass ist der technischste Teil geschafft. Es folgen fast zwölf Kilometer Strassenabfahrt bis Sta. Maria im Val Müstair.

Beim Hinunterfahren scheint der Pass kaum enden zu wollen. Die entgegenkommenden Rennradfahrer werden noch eine ganze Weile bergauf beschäftigt sein. Man weiss eigentlich genau, wie sich das anfühlt. In diesem Moment wirkt es trotzdem fast abstrakt.

Sta. Maria eignet sich gut für eine längere Pause. Cafés, Gasthäuser, Bäckerei und Volg liegen direkt im Ort. Wer bei Meier-Beck stoppt, sollte die eigens eingerichteten Veloabstellplätze auch benutzen. Der Bäckerchef achtet darauf.

Gravel-Aufstieg über Lü zum Pass da Costainas

In Sta. Maria beginnt der zweite grosse Anstieg des Tages. Gegenüber dem Vormittag ist er fast schon komfortabel: kleine Strasse, praktisch kein Verkehr und meist zwischen fünf und acht Prozent Steigung.

Über Pütschai führt die Strecke hoch über dem Val Müstair Richtung Lü. Unterwegs reicht der Blick zurück zum Umbrailpass, knapp ins Val Mora und später weit hinaus bis ins Vinschgau.

Lü wird dabei nicht wie üblich von unten, sondern von oben erreicht. Ab hier liegt wieder Gravel unter den Reifen. Der Weg steigt zunächst ruhig und gleichmässig an. Wer bei schlechtem Wetter eine Pause braucht, findet mit dem Bergrestaurant La Posa unterwegs eine mögliche Einkehr.

Erst kurz vor dem Pass da Costainas wird es deutlich steiler. Einzelne Passagen können dazu führen, dass man noch einmal kurz schiebt.

Pass da Costainas und Val S-charl

Auf der anderen Seite beginnt die Abfahrt direkt mit einem Singletrail. Der ist deutlich einfacher zu fahren, als es auf der Karte vielleicht wirkt, und lässt sich mit dem Gravelbike überraschend flüssig nehmen.

Danach werden die Wege breiter und schneller. Über Alp Astras geht es durch das Val S-charl Richtung S-charl. Dieser Abschnitt gehört zu den stärksten Gravelpassagen der Gegend.

Es gibt Menschen, die behaupten, die Überquerung des Pass da Costainas sei in Richtung S-charl schöner als umgekehrt. Wir lassen das offen. Sicher ist nur: Beide Richtungen funktionieren ziemlich gut.

Durch das Val S-charl nach Scuol

Später lässt sich das Gravelbike richtig laufen. Breite Naturstrassen führen mit hohem Tempo Richtung S-charl und anschliessend durch die Schlucht hinunter nach Scuol.

Auch auf den letzten Kilometern bleibt der Untergrund graveltypisch: breite Wege, Schotterstrassen und lange Passagen, auf denen man kaum noch bremsen möchte.

Die Tour endet auf der Gurlainabrücke vis-à-vis der Kirche San Geer. Nach zwei langen Anstiegen, alpinen Singletrails und einer ziemlich ungewöhnlichen Annäherung an den Umbrailpass ist das ein passender Schluss.

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